Gründung März 2015 (WAZ)

Jung und aktiv bleiben, trotz der MS

Laura da Silva Carvalho
 
Unter dem Motto „Jung und aktiv
Unter dem Motto „Jung und aktiv" hat sich in Gelsenkirchen eine neue Selbsthilfegruppe der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft gebildet.
Foto: Funke Foto Services

Gelsenkirchen.. Vor knapp einem Jahr bekam der 25-jährige Mario Vanhinsbergh die Diagnose Multiple Sklerose. „Ich kannte die Krankheit nicht einmal. Es war ein Schock.“

Bei dem Gelsenkirchener machte sich die Erkrankung zunächst durch unruhige Beine und Taubheitsgefühle bemerkbar. Die Entzündungsherde im Kopf, die Lumbalpunktion und weitere Ausschlusskriterien bestätigten dann die Vermutung seines Arztes.

Kurz nach Diagnose im Rollstuhl

Schon ein halbes Jahr nach dem Befund fiel Vanhinsbergh das Laufen immer schwerer. Er brauchte einen Rollator, war für zwei Monate auf einen Rollstuhl angewiesen. „Zum Glück kann ich nach etlichen Untersuchungen und Therapien nun wieder laufen, aber niemand weiß, wie lange das gut geht.“ Der gelernte Koch arbeitete bis zu dem schweren Krankheitsschub als Gebietsverkaufsleiter. Nun ist er arbeitslos. Das zu akzeptieren fällt dem 25-Jährigen schwer. „Dass ich nicht mehr arbeiten kann, ist das Schlimmste für mich. Ich bin ein Arbeitstier und möchte nicht Daheim rumsitzen.“

Trotzdem lässt der junge Gelsenkirchener sich nicht hängen. „Mein schwarzer Humor hilft mir. Ich möchte mich auf keinen Fall verkriechen.“ Darum machte er sich auf die Suche nach anderen Betroffenen. „Ich habe schnell gemerkt, dass es in Gelsenkirchen keine Angebote für junge und aktive MS-Erkrankte gibt. Das wollte ich ändern.“

Neue Selbsthilfegruppe

Mit Unterstützung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft NRW e.V. hat er die Selbsthilfegruppe „Jung und aktiv mit MS“ ins Leben gerufen. Das neue Angebot kommt gut an. Beim ersten Treffen kamen um die 20 Leute ins Hans-Sachs-Haus. „Ich habe mit fünf Leuten gerechnet. Aber ich hoffe wir werden trotzdem noch mehr“, freut sich Vanhinsbergh.

Die meisten der Anwesenden haben noch keine ersichtlichen Symptome. Doch es sind auch Leute gekommen, bei denen die Krankheit schon fortgeschritten ist, die eine Gehhilfe brauchen oder Sprachprobleme haben.

Informieren am Welt-MS-Tag

„Genauso hatte ich es mir vorgestellt. Wir können uns über Symptome, Therapiemöglichkeiten und alltägliche Problemchen austauschen. Einfach quatschen. Außerdem möchte ich mit der Gruppe gemeinsame Aktivitäten planen. Ich freue mich einfach, wieder eine Aufgabe zu haben.“

Die erste Aktion ist für den Welt-MS-Tag, 27. Mai, vorgesehen. „Mit zwei Ständen wollen wir Menschen in der Stadt über die Erkrankung informieren. Ich wusste schließlich vor der Diagnose selbst nicht, was MS ist. Es gibt Aufklärungsbedarf.“

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